Surfgeschichte

Der Duke, das Wellenreiten und ich

Manchmal, wenn ich mit dem Board unter den Füßen auf dem Wasser unterwegs bin, muss ich an Duke denken und daran, wie das alles angefangen hat mit dem Surfsport. Dann blicke ich auf mein Board, dessen Finnen für Stabilität bei der Fahrt sorgen. Es besteht aus Hightechmaterialien, Hartschaum beschichtet mit epoxidharzgetränktem Glasfasergewebe. Das macht es leicht – selbst mein knapp drei Meter langes Longboard wiegt unter 6kg. Ich hab’s ohne Anstrengung ans Wasser tragen. Da stehe ich also auf meinem Board und wundere mich nicht im geringsten darüber, dass ich auf den Wellen reiten kann.

Der Beginn des modernen Wellenreitens

Als Duke Kahanamoku vor gut 100 Jahren begann, vor Hawaiis Küsten zu surfen, war sein Surfboard knapp fünf Meter lang, bestand aus dem Holz der nur auf Hawaii vorkommenden Koa-Akazie, hatte keine Finne und wog 52kg. Wie kann so ein Kaliber auf den Wellen reiten? Wie soll man damit vernünftig steuern können? In diesem Film von Anfang der 1930er vor Oahus bekanntestem Strand Waikiki (http://www.youtube.com/watch?v=5f8HcmIuU5U) sieht man, wie man es an den Strand schleppt. Dukes Manöver sehen für heutige Verhältnisse unspektakulär aus. Und doch faszinieren mich seine Surfkünste ähnlich, wie die amerikanischen Touristen, die durch ihn anfangs des 20. Jahrhunderts zum ersten Mal überhaupt einen Surfer sahen. Duke exportierte das Wellenreiten bis nach Australien. Von da an begann der weltweite Siegeszug des Wellenreitens, zu der Form, die wir heute kennen. Seit den 50ern bestehen die Boards komplett aus Schaumstoffen und Fiberglas. Doch klar, Duke war nicht der erste Surfer.

Die ersten Surfer

Das Surfen ist vermutlich mehrere 1000 Jahre alt. Binsebündel, Holzplanken und Kanuspitzen wurden benutzt, um dem Körper einen größeren Auftrieb zu geben. Bis jemand auf die Idee kam, sich auf ein auf den Wellen reitendes Brett zu stellen, dürfte es einige Zeit gedauert haben. Seinen Ursprung hat das Surfen jedenfalls in der polynesischen Kultur, die sich bis nach Hawaii ausbreitete – hier erlangte es auch seine größte gesellschaftliche Bedeutung, wenn man mal von der Moderne absieht und unseren Surfevents und Surfschulen auf der ganzen Welt. Auf Hawaii wird jedenfalls seit mehr als 1000 Jahren gesurft, allerdings lange Zeit nur von Königen, denn denen war der Sport vorbehalten. Sie hatten ihre eigenen Surfspots und Boards, die ausgewählte Stammesmitglieder aus vom Medizinmann ausgewählten Bäumen schnitzten. Später gab es dann auch Spots für die unteren Klassen der hawaiianischen Gesellschaft.

Surfen – wie der Phoenix aus der Asche

Als James Cook Endes des 18. Jahrhunderts Hawaii »entdeckte«, begann der Niedergang des Wellenreitens. Nachdem erste Berichte über das seltsame Verhalten der Hawaiianer nach Europa vorgedrungen war, wurde das Wellenreiten schnell als überflüssig und vor allem unsittlich klassifiziert. Erst mit der Angliederung Hawaiis an die USA im Jahr 1900 wurde das Wellenreiten rehabilitiert – ganz offensichtlich, weil nun auch Menschen außerhalb Hawaiis merkten, wie viel Spaß es macht, mit einem Stück Holz unter den Füßen die Wellen zu zähmen. Und dann kam Duke, an den ich manchmal denken muss, wenn ich mich im nassen Element für kurze Zeit wie ein König fühlen darf.
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